Ich fahre im Jahr so zwei dreimal nach Italien. Wenn man in München lebt (und das tue ich), dann ist die Fahrt über den Brenner quasi die Hausstrecke, ein langes Wochenende am Gardasee ist hier fast so beliebt wie Sonntag raus zum Tegernsee zu fahren (Münchner sind wahnsinnig einfallslos, das kann man echt sagen, niemals würde es einem von ihnen einfallen, das Wochenende mal nach Frankfurt oder so zu fahren, absolut unvorstellbar. Wie ein Frankfurter Bekannter letztes Jahr so schön sagte: Für Münchner ist die A99 eine Einbahnstrasse, die würden da niemals Richtung Norden fahren. Richtig, genau so ist es.)
Egal, zurück zum Thema.
Also die Fahrt über den Brenner, wie gesagt, mein Auto fährt die Strecke mittlerweile von allein, und wenn man rast und wenig Verkehr ist, schafft man es bis Brixen in 2 h und bis Bozen dann nochmals 20 Minuten länger. Bei diesen Routinestrecken entwickelt man zwangsweise Routineriten (- das ist ein schönes Wort, was? Man erkennt es erst gar nicht!). Ein Ritus ist z.B., dass spätestens auf der Europabrücke italienische Musik im Auto gespielt werden muss (da muss dann immer die uralt Luca Carboni CD herhalten), und ein zweiter geht so, dass man beim ersten Autogrill auf italienischem Boden rausfährt und an der Bar einen cafe macchiato bestellt. Darauf freue ich mich schon ab Ortschild München. Auf der Fahrt an den Gardasee warten wir immer bis nach Bozen ab, bevor wir rausfahren, denn danach, im Trentino, wird es schon richtig italienisch.
Bei dieser Fahrt war aber unser Endziel Meran, was heißt, dass die Anzahl potentieller Autobahnraststätten zwischen Sterzing und Ausfahrt Bozen Süd begrenzt ist und man besser die erstbeste wählt, wenn man diesen Programmpunkt durchziehen möchte. Wir wollten. Also fuhren wir irgendwo vor oder nach Brixen auf den Rastplatz. Ich hatte schon ein schlechtes Gefühl, als ich sah, dass es sich um eine Shell-Tankstelle handelte. Die Shell-Tankstellen auf der Autobahn vom Gardasee hoch bis zum Brenner haben irre schlechte Bars und ich befürchtete, dass das auch für die Gegenrichtung gelten könnte. Das tat es.
Wir gingen rein, es lachte uns gleich eine Pyramide aus 5 l Gläsern Nutella entgegen, was ich als gutes Zeichen wertete, weil das ja ungeheuer spagomäßig ist. Wir direkt an die Kasse, um den scontrino zu holen, ähm due panini bitte, questo e questo per favore, ben riscaldato si, e due cafe! Während unsere Brötchen im Paniniroaster aufgewärmt wurden, holten wir schon mal den cafe. Gegen den konnte man nun nichts sagen, der war ok. Ein kleiner bitterer Schluck, schwupp!, weg war er. Dann kamen die Brötchen. Ich hatte ein Panino mit prosciutto crudo, mein Begleiter eines mit Schinken, Rucola und irgendeinem Frischkäse drauf. Nach dem ersten Biss in meines war ich sicher, ganz schlecht gewählt zu haben. Das Brötchen war so trocken, dass pro Biss nur vierzigmal kaufen half, um das abgebissene Stück schluckfertig vorzubereiten. Ich war sofort satt, nahm erst mal eine Brötchenhälfte weg und sonderte diese aus, machte mich dann daran, den durch das Erwärmen irre salzig gewordenen Schinken mit der Staubkante darunter weiter aufzuessen, was mir nur dank meiner guten Erziehung (katholisch, andere Kinder hungern usw.) gelang. Und nur unter Schmerzen. Eine italienische Familie stand plötzlich am Tresen, die Mutter bestellte ‘una coca’. Una coca!! Dieses Wort kam daher wie die Erlösung, ich stellte mich sofort in die nun lange Schlange vor der Kasse, wo der Kassierer leider nur langsam seinen Job erledigte, weil er zwischendurch weitere an sich schon trockenen Brötchen tottoasten musste - als ich endlich dran kam, konnte ich nur noch „due coca“ krächzen. Er, ah, due coche, tippte den Preis ein und gab mir den Bon. Vom Brötchenkiller auch noch bei der Pluralbildung korrigiert werden, na muchas gracias.
Die Cola war spitze. Ich habe Jahre nicht mehr eine normale, eiskalte Cola mit hundertsiebzig Zuckerwürfeln Süße getrunken, und ich befürchte, das war ein Fehler. Diese Cola war echt spitze!!
M stürzte sein Getränk ebenfalls runter, er hatte leider den Fehler gemacht, sich die Wartezeit auf das Mörderbrötchen mit einer Brioche con crema zu verkürzen – offenbar hatte diese auch nicht die gewünschte Qualität, sondern nur einen fiesen Geschmack nach mehrfach verwendetem Industriefett, was a.) keinen Genuß mit sich brachte, dafür aber b.) den Magen bereits umfassend gefüllt hatte, als das Speichelsaft fordernde Brötchen serviert wurde.
Ein alter Mann, so ein knarziger Südtiroler, wie man sie sich so vorstellt, verlangte an der Bar einen cafe con gusto di vino. Der Barrista fragte hä? und wußte nicht, was er ausschenken sollte. Es stellte sich dann raus, dass der Mann seinen cafe mit einem Schluck Rotwein nahm. Mit dem Wein im cafe drin. Das fand ich interessant und hat die gesamte Autoraststätte, die ich nullkommanull empfehlen möchte, doch noch ein wenig gerettet. Immerhin tat sie es zum weiteren kulinarischen Erfahrungen sammeln.
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Oh wait. Yes, I have. I’m sorry, but I just don’t have it in me right now to type it all out again. Besides, it was just ramblings anyway. You didn’t want to hear me go on and on about this, right?