Lux, Esslingen
maille 4-9, 73728 esslingen, Telefon: 0711.31059535
http://www.lux-es.de/
Ich sollte ueber das Lux schreiben, nachdem ich in einer Woche drei Abende dort verbracht habe. Das liegt nicht nur an den mangelnden Alternativen in Esslingen, das liegt auch daran, dass ich das Lux mag.
Das Lux definiert sich selbst als „Gastronomie im kommunalen Kino“.
Diese Beschreibung sagt jedoch gar nichts ausser Essen und Kino.
Vielleicht kann man so beginnen, dass das Lux eine Kneipe ist, die sich um den Eingang des Kommunalen Kinos gelegt hat. Ich kann mich noch daran zurueckerinnern, als der Eingang des KoKi in einem Innenhof einer Haeusergruppe lag, die an einem der kleinen Neckarkanaele stand. Irgendwann hatte jemand die Idee, diesen Innenhof mit Glas und Dach zu versehen und einen geschlossen Raum daraus zu machen. Die aufs Kino Wartenden standen ab diesem Moment nicht mehr im Nassen, sondern im Lux.
Die Form von Innenhoefen ist nicht rechteckig und nicht wohlueberlegt, stellen sie vielmehr das Negativ einer Innenraumgestaltung dar.
Das fuehrte dazu, dass der Grundriss des Lux seltsam geformt ist und zwei Eingaenge hat. Der Haupteingang fuehrt geradewegs auf das KoKi und auf die Bar zu. links und rechts auf dem Weg zur Bar stehen grosse Tische.
Die Bar belegt die gesamte Hinterfront des Raumes und geht von der geraeumigeren Kinoseite bis zu einem etwas engeren Bereich, in dem der zweite Eingang ist. Auf dieser Seite gibt es keinen Platz fuer Tische. Es gibt zwei Nischen und Stehplaetze. Und die Decke ist sehr viel niedriger als im Haupteingangsbereich. Mir faellt gerade ein, dass es im Hauptbereich eine zweite Ebene gibt, die ich zwar immer wahrnehmen zu scheine, zu der ich aber noch nie hochgestiegen bin. Vielleicht ist dies auch nur eine optische Taeuschung?
Genug der architektonischen Ausfuehrungen. Man kann aufgrund der Zigarettenrauchschwaden eh kaum etwas erkennen. Es ist immer leicht zu dunkel und wie schon erwaehnt, der aus Sueddeutschland nicht wegzudenkende Zigarettenqualm verhindert ein zu genaues wahrnehmen.
Ich kann alleine ins Lux gehen, es ist eine dieser Kneipen, wo man nicht wirklich auffaellt, man stellt sich an die Bar und trinkt dort sein Bier, oder man wandelt ein bisschen umher und tut so, als sei man Kinogast und warte auf die Vorstellung.
Die Getraenkekarte ist Standard und so formuliert, dass ich Bier empfehle, die Auswahl ist ansprechend und Bier in Deutschland schmeckt immer.
Traue keiner Cocktailkarte in der Provinz ist die zweite Regel, die auch aufs Bier verweist.
Hat man seine Nische gefunden und schaut man sich in der Runde um, faellt auf dass das Publikum alle Altersklassen abdeckt. Alle Altersklassen aber nicht alle Typen. Selbst die aelteren Anwesenden sehen so ein bisschen alternativ aus. Haben laengere Haare oder immer noch ein oder zwei Ohrringe im Ohr – die Juengeren haben die Ringe in der Nase. Ich mag das sehr, fuehle mich daheim.
Das Gefuehl von Heimat ist vorherrschend, waehrend ich in einer Nische stehe, habe ich Zeit, mir alle anwesenden Gesichter anzuschauen und kann mir ueberlegen, ob ich sie nicht schon von irgendwoher kenne. Von frueher. Und wenn dies der Fall ist, kann ich mir ueberlegen, ob ich ihn oder sie anspreche, jeder scheint sich hier darueber zu freuen, angesprochen zu werden, oder ich suche heimlich still und leise den Ausgang (es gibt zwei davon!). Es gibt immer Teile seiner Vergangenheit, die man dort ruhen lassen will und nicht in die Gegenwart holen moechte und das Lux mit seinen Rauchschwaden, seiner schlechten Beleuchtung, seiner – zumindest in der Weihnachtszeit – ueberfuellten Raeumlichkeiten ist der ideale Ort, um nur das zu sehen, was man sehen will.
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