Blaue Gans
139 Duane St (Cross Street: Between Church Street and W Broadway)
New York, phone 212 571 8880
Die Blaue Gans ist ein Restaurant oesterreichischer Kueche, in dem es Klassiker wie Wienerschnitzel, Jaegerschnitzel, Tafelspitz, Rehgulasch etc. gibt.
Das hoert sich, faellt mir gerade so auf, fuer deutschsprachige Ohren alles sehr unspektakulaer an. Und bei genauerem Nachdenken ist die Kueche auch, vor allem dann, wenn man die Gerichte kennt und sie schon unzaehligst in allen moeglichen Versionen gegessen hat, unspektakulaer. Ihre Besonderheit kommt durch die Tatsache, dass es doch nicht so viele Restaurants in New York mit diesem Angebot gibt (die paar anderen, die es noch gibt – wie z.B. das Wallse gehoeren dem gleichen Eigentuemer, somit zaehlen sie nicht wirklich)
Nach dieser Einleitung mag es nun vielleicht ueberraschen, dass die Blaue Gans zu meinen Lieblings Winterrestaurants gehoert. Es liegt teilweise am Interieur, das sehr gelungen und trotzdem casual ist. Man stelle sich ein Wiener Cafehaus vor, das 24/7 geoeffnet ist, an den Waenden haengen Zeitungen, die Atmosphaere ist dunkel und ueber dem ganzen wolkt der Zigarettenrauch der Jahre.
Die Blaue Gans hat weder die Zeitungen noch den Zigarettenrauch, vielmehr sind die Waende gepflastert mit Ausstellungsplakaten vergangener Jahrzehnte, alle aus dem deutschsprachigen Raum. Ich erinnere mich an viele der Ausstellungen, war teilweise selbst dort. Jedes Mal ein ueberraschendes Stueck Vergangenheit, dem ich dort im Laufe des Abends begegne. Das schafft viel Atmosphaere. Auch die gedaempfte Beleuchtung traegt dazu bei.
Der Speiseraum selbst ist lang und es umgibt ihn, durchgehend, eine rote Plueschbank, an der sich die Tische im U anordnen, in der Mitte steht ein Gemeinschaftstisch, der meist von einer Gruppe Feiernder belegt ist.
Die Bar steht geraeumig und solide am Eingang, sie bietet genug Platz fuer alle, die auf einen Tisch warten und fuer diejenigen, die nicht warten wollen, sondern sich gleich und letzlich an der Bar niederlassen. Man sollte sich so setzen, dass man den Bildschirm, der in der Mitte der Bar angebracht ist, nicht sieht. Der stoert doch sehr.
Zurueck zur Karte. Die Vorspeisenliste ist eine Herausforderung; da gibt es naemlich eine Vielzahl verschiedener Wuerste und auch Spaetzle. Wuerste mit Kraut sind fuer mich eine einfache, aber dennoch vollstaendige Hauptmahlzeit. Kann die schon mal nicht als Vorspeise bestellen. Ich wuenschte es gaebe kalte Platten oder noch mehr Salate. Die Salate sind zu empfehlen. Der gruene Salat ist wie man ihn aus Sueddeutschland kennt, grosse unmundliche Kopfsalatblaetter mit einem sehr sauren Dressing. Der Tomatensalat, den es Sommer gab, war auch voller Erinnerungen. Mit ganz viel Wasser und weissen Zwiebeln.
Die interessanten Punkte der Karte sind ohne Frage die Hauptgerichte und die Desserts. Die Hauptgerichte sind solide gut. Die Spaetzle, die oesterreichische Version, kommen immer mit einem sahnigen Hintergrund. Das Wienerschnitzel ist schoen duenn – koennte saftiger sein - aber schmeckt doch sehr gut. Das Jaegerschnitzel macht suechtig. Das Rehgulasch kommt mit einem unnoetigen Schlag von Preiselbeermarmelade auf (!) dem Fleisch (oder was soll das sein?) und ist deshalb versuesst. Schade.
Der Tafelspitz schmeckt so wie man ihn von daheim kennt. Der Schweinsbraten kommt mit einem einzigen Knoedel.
Der Koch scheint ein bisschen unter dem Eindruck zu stehen, dass die oesterreichische Kueche durch hohen Zuckergehalt gekennzeichnet ist und suesst, wo es das Rezept zulaesst. Er uebertreibt dabei – mein Rotkohlsalat war auch so suess… Vielleicht kann es ihm jemand sagen.
Die Desserts jedoch – ueberraschenderweise – sind alle nicht zu suess und ausgezeichnet. Ob es der Apfelstruedel, die Salzburgernockerl, der Quarkstrudel ist, alles schmeckt original und sehr gut.
Ein weiterer Grund zur Blauen Gans zu gehen, ist auch das Publikum, wenn man mal vom „Kinder- und Familiensonntag“ absieht, man sieht interessante Gaeste. Was mir jedoch in letzter Zeit auffaellt ist, dass der Service im Vergleich zum Anfang doch sehr abgebaut hat. Vielleicht befindet man sich ja in einer Restrukturierungsphase. Man kann es nur hoffen, weil ich mit meinen Jaegerschnitzel suechtigen Freunden bestimmt noch oefters dort landen werde.
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