Lounge 2, München
Bayerstraße 3-5
089-5126222
Gestern abend habe ich Casino Royale gesehen, den neuen James Bond-Film. Da wir im Derbyblog ja über Restaurants, Bars & Co. berichten und nicht über Movies, spare ich mir hier die Filmkritik bzw. beschränke mich darauf, mündlich allen Interessierten meine Meinung über den Film kundzutun, das sollte reichen.
Oder nein, doch nicht, ich mache hier mal ein kurzes Summary:
Daniel Craig ist sehr gut; ein ganz neuer, eigener James Bond Typ, moderner, härter und cooler als die anderen, vielleicht einen Hauch ins Amerikanische neigend. Aber nur einen Hauchchchch… Der Film selbst ist mittel, er hat ganz klar Längen und Durchhänger im Drehbuch. Die James Bond Girls sind enttäuschend, die erste (Griechin mit dicken Lippen) ist deutlich unter Bonds Niveau, was diesem auch schnell auffällt. Die zweite – Vesper – wirkt erst sehr interessant und schön, ist meiner Meinung nach aber zu stark geschminkt, was ihr nicht steht, da sie eigentlich kein Vamp ist. Sie verliert dann sehr gegen Ende. In jeder Hinsicht. Unerträglich ist das Liebesgesülze in dem Film, James Bond is not a love movie, und wie immer, wenn nicht genrerein gearbeitet wird, kommt Murks raus. Also diese love scenes sind des Guten einfach zuviel, umso zwingender ist dann auch das Ende: Das musste brutal abgewürgt werden (Vesper hätte ja sonst die nächsten 5 Filme mit durchgefüttert werden müssen). Sehr gut sind M und der Bösewicht, Le Chiffre, lustig ist auch der Schweizer Bankier, den ich schon als tapsigen Ermittlerkollegen von Balko gern mochte.
Anyway, es geht hier ja nicht um den Film. Sondern um die Lounge 2. Die Lounge 2 ist eine futuristisch gestaltete Bar im Mathäser-Kinokomplex (sowohl das 2 (bitte englisch aussprechen) im Namen als auch der Luftblubberlook in den Aquarienwänden machen es deutlich, dass die Lounge von O2 ge- sagen wir mal: gesponsort wird). Also eigentlich ist völlig klar, dass der Laden als ernsthafte Bar nicht in Frage kommt, und wenn ich nachts aus dem Schlaf gerissen und gefragt würde, wo ich einen guten Drink in München nehmen würde, dann wäre meine Empfehlung natürlich ganz klar das Schumann’s oder das Tabacco. Da es aber gestern nach Filmende schon 23.15 Uhr war (die Längen im Film waren nicht nur gefühlt) und ich keine Lust auf langen Rüstaufwand für das Aufsuchen einer RICHTIGEN Bar hatte, gleichwohl aber irre Lust auf einen Martini-Cocktail, sind wir eben schnell in die Lounge 2. Direkt an die Bar, den einzig akzeptablen Platz im Raum. Auf diesen schwulen weißen Ledersesseln vor den Aquarienwänden kann man im November unmöglich Platz nehmen.
Kleine Aufsteller wiesen auf den Drinks der Woche / des Monats, wie auch immer, und was hätte es anders sein können, der Drink der Woche hieß James Bond und war ein Vodka-Martini. Schon falsch. Ein James Bond ist ein Champagner-Cocktail mit Vodka drin, der Vodka-Martini heißt einfach Vodka-Martini. Haben wir natürlich bestellt. Als Marketingmensch hätte ich mich da schon aufregen können; wo jetzt Daniel Craig alias James Bond in Casino Royale detailliert beschreibt, wie er seinen Martini will („Three measures of Gordon’s, one of vodka, half a measure of Kina Lillet. Shake it very well until it’s ice-cold, then add a large slice of lemon-peel. Got it?“), schaffen sie es in der Lounge 2 nicht, genau dieses Rezept anzubieten. Es kommt ein regulärer Vodka-Martini mit Martini Dry als Vermouth und einer Olive, die auf einen silbernen Plastiksäbel aufgespiesst ist! Wir sind hier nicht in Pirates of the Caribbean. (Es gibt die Dinge, die gehen einfach nicht. Zum Beispiel der silberne Plastiksäbel. Die Olive im Martini-Cocktail wird auf einen Zahnstocher aufgespiesst, auf sonst nichts, bitte.)
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Ok, es kam also nicht der Martini nach dem Originalrezept aus Casino Royale (gehen die aus der Lounge 2 eigentlich nicht ins Kino), schon mal negativ, dann der Säbel, Minuspunkt Nr. 2, und dann muss ich auch noch an der Temperatur rummäkeln. One of the main ingredients of a martini is ice-coldness. Anders kriegt man ihn auch kaum runter. Der Martini in der Lounge 2 war eindeutig nicht kalt genug, selbst für einen schnellen Trinker wie mich. Mein Begleiter brauchte deutlich länger und würgte das Getränk eh mit angewidertem Gesicht runter, ich musste zum Schluß seinen Rest runterkippen, damit wir es noch rechtzeitig vor 24 Uhr zum Parkhaus schafften. Which we did.
Fazit – mangelnder Einsatz wird sofort bestraft. Instantly.
Wer ist eine schlechte Bar geht, muss sich nicht wundern.
Ich werde mir eine Flasche Kina Lillet besorgen.
Filed under: Bar, Europa | 2 Comments
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Hi!
Kurzer Tipp: Kina Lillet ist ziemlich herb!
Ich mutmaße darin hat sich Ian Fleming geirrt.
Versuch lieber den „normalen“ Lillet blanc: das schmeckt und gibt das Bond-Feeling!
MfG!
Miha
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