Frage des Tages -  Wer ist Optimist ? wer ist Pessimist? Und Warum?


Havana Central,  151 West 46th Street between 6th and 7th Avenue, New York

Ich war gestern Abend bei einem Wine Tasting. Einem Wine Tasting fuer Rioja Weine – und zwar ganz konkret fure Crianzas.

Ich war schon auf so vielen Weinevents in New York und alle hatten eines gemeinsam, ich habe viel Wein getrunken und war hinterher nicht schlauer, nur um ein paar tote Gehirnzellen reicher. Am allerschlimmsten war ein Tasting der selbsternannten Wine Diva, die am Ende des Abends eine Champagnerflasche mit einem Saebel koepfte. Ihre Vorstellung war der Gipfel von zur Schau gestellter Unwissenheit.

Das Wine Tasting gestern Abend war anders. Ich habe noch mehr Wein getrunken als sonst, die Veranstalter, die bis zum Schluss mit am Tisch sassen und mittranken, waren immens grosszuegig und ich habe zum ersten Mal etwas gelernt.

Das Tasting fand im zweiten Stock des Havana Central, einem kubanischen Restaurant in Midtown, statt.

Als ich kurz vor halb acht das Restaurant betrat, war mir sofort klar, warum ich von Havana Central noch nichts gehoert hatte, ich gehe nicht in diese Art von Restaurants. Es ist Times Square nah. Es ist nicht ‘in’. Es kocht kein bekannter Chef, somit sind die Gaeste nicht cool, vielmehr laeuft zu laute Latin Musik, die Einrichtung ist kubanisch  (man denke sich Teppichboden mit wilden Muster und ebensolche wilden Tapeten), das Publikum ist in der Mehrheit lateinamerikanisch und man muss ganz laut sein, um sich zu verstaendigen.

Im zweiten Stock war ein Tisch U aufgebaut und darum herum die Stuehle fuer uns gestellt. Wir sollten spaeter zu elft sein, elf Teilnehmer, die wirklich nur teilnahmen und nicht Mitveranstalter waren. Als Mitveranstalter sind zu nennen: die Referentin, die Marketingleiterin des Restaurants, die US-Vertreterin der Region Rioja, die PR-Agentin der Vertreterin der Region Rioja.

Puenktlich fingen wir an: Die Referentin Ellisa Cooper stellte sich vor und sprach ueber Spanien und seine Geschichte als Weinland, sie sprach ueber Rioja und seine Trauben und erklaerte wie die Wein Serie im Havana aufgebaut sei: mehrere Dienstagabende sich steigernd von Crianza, ueber Riserva zu Gran Riserva, analog zum Reifungsprozess der Weine. Die Reihe abschliessend wuerde dann ein Abend zum Thema „Sparkling“.

Ihre Einfuehrung war knapp, aber in einer Art, dass wir wussten um was es ging. Es ging um Weine aus einer bestimmten Region Nordspaniens, die zu 90% Tempranillo Trauben enthalten muessen, um sich Rioja nennen zu duerfen. Und da der heutige Abend den Crianzas gewidmet war, hiess es, dass alle ein Jahr im Eichefass gelagert worden sind bevor sie ein weiteres Jahr in der Flasche ruhten. Sie musste das wohl mehrmals gesagt haben, anders haette ich es mir sicherlich nicht gemerkt.

Dann schenkte sie die erste Runde Wein aus. Grosszuegig. Und wir bekammen jeder zwei Kroketten als Appetizer.

Elissa wirkte auf mich sehr streng. Wir folgten bei jedem Wein, dem gleichen Ritual: Farbe, Geruch, Geschmack. „Was riecht Ihr?“ fragte sie und wir teilten unsere Eindruecke mit. Sie sagte uns dann jeweils, wieweit wir daneben lagen …. und ermutigte uns dazu, unsere Beobachtungen aufzuschreiben. „Was schmeckt Ihr?“ ging es dann weiter.  Und auch hier die gleiche vermeindliche Grosszuegigkeit, was unsere Antworten anbelangte.

Wir testeten insgesamt fuenf Weine und immer und immer wieder das gleiche Ritual. Nach einer Weile meinte ich schon zu kapieren, was sie mit Dill geruch oder Lavendel meinte. Aber vielleicht lag das auch am Alkoholkonsum. Ich mochte jedoch ihre Systematik und auch die Tatsache, dass sie ruegte „man beschreibt einen trockenen Wein nicht mit ’suessen’ adjektiven wie „sweet, syrupy or sugary“, man beschreibt einen trockenen Wein mit Adjektiven, die keinen Zucker enthalt wie „fruity“. Man fasst ein Weinglas immer am Stiel an. Sie wollte nun keine Namen nennen, aber ‘warum hat ein Weinglas wohl einen Stiel? damit wir mit unserer 99 Grad warmen Hand den Wein aufwaermen koennen?’ Ich finde rechnen mit Fahrenheitgraden in solchen Situation so viel eindrucksvoller als mit Celsius. 99 Grad warme Haende. Das ist so einleuchtend, dass das so nicht sein soll.

Das Essen, das zu den Weinen gereicht wird steigerte sich. Eigentlich waren nur die Kroketten etwas lahm. Die Tamales – obwohl nicht so ansprechend aussehend – waren schon geschmacklich sehr gut und das geraeucherte Schwein mit der suessen Glasur mein persoenlicher Favorit und selbst die Tostones Rellenos, obwohl sie zum Schluss kamen und ich nicht mehr hungrig, habe ich alle gegessen, sowohl die Beef- als auch die Shrimpversion.

Als das geraeucherte Schweinefleisch mit der suessen Glasur gereicht wurde, begehrte die Riojavertreterin auf. Zu suessen Gerichten passe sogut wie kaum ein Wein. Dessertweine sind deshalb suess, weil man zum Dessert einen Wein braucht, der etwas Zucker hat. Alle anderen Weine toetet man.

Elissa wusste hier sehr schoen hinzuzufuegen, dass die meisten Ehen mit einem katastrophalen Fehler begaennen. Naemlich dem Toast beim Anschneiden des Hochzeitkuchens. Man duerfe hier keinen Champagner reichen. Nichts mag Champagner weniger als suessen Kuchen. Dem Kuchen ginge es im uebrigen nicht anders. Sie beschwoerte alle unverheirateten Anwesenden (ein Herr war wohl schon mehrmals geschieden) diese Hochzeitssuende nicht zu begehen „drink champagne through the reception – through the whole meal but once the sweet stuff shows – put it aside“ Ich werde das beherzigen und werde das auch bei allen zukuenftigen Hochzeiten einbringen.

Den Ende des Abends markierte die Tatsache, dass wir alle Weine durchgetestet hatten und jeder seinen persoenlichen Favoriten benennen musste (sie hatte das persoenlich Ranking neben dem Geruch und dem Geschmack auch den ganzen Abend immer wieder abgefragt) und dann bekam jeder eine Liste der Laeden zur Hand, die die Weine fuehrten.

Dieses Zeichen eines offiziellen Endes beantwortete Senora Rioja mit dem Griff zu einer der offenen Flaschen und mit kraeftigem Nachschenken des eigenen Glases und die PR Frau und alle anderen taten es ihr nach. Und dann kam der Restaurant Manager und hat nochmals eine Flasche gebracht und wir sassen noch zwei weitere Stunden, haben nicht mehr ueber Weine geredet nur noch selbige getrunken.

In diesem Moment fuehlte sich das Havana als ein Restaurant mit Starambiente an, der Abend glamuroes und ich mich wie unter Freunden. Fuer 50$ Teilnahmegebuehr ein wirklich unschlagbarer Event.


Ich fahre im Jahr so zwei dreimal nach Italien. Wenn man in München lebt (und das tue ich), dann ist die Fahrt über den Brenner quasi die Hausstrecke, ein langes Wochenende am Gardasee ist hier fast so beliebt wie Sonntag raus zum Tegernsee zu fahren (Münchner sind wahnsinnig einfallslos, das kann man echt sagen, niemals würde es einem von ihnen einfallen, das Wochenende mal nach Frankfurt oder so zu fahren, absolut unvorstellbar. Wie ein Frankfurter Bekannter letztes Jahr so schön sagte: Für Münchner ist die A99 eine Einbahnstrasse, die würden da niemals Richtung Norden fahren. Richtig, genau so ist es.)
Egal, zurück zum Thema.

Also die Fahrt über den Brenner, wie gesagt, mein Auto fährt die Strecke mittlerweile von allein, und wenn man rast und wenig Verkehr ist, schafft man es bis Brixen in 2 h und bis Bozen dann nochmals 20 Minuten länger. Bei diesen Routinestrecken entwickelt man zwangsweise Routineriten (- das ist ein schönes Wort, was? Man erkennt es erst gar nicht!). Ein Ritus ist z.B., dass spätestens auf der Europabrücke italienische Musik im Auto gespielt werden muss (da muss dann immer die uralt Luca Carboni CD herhalten), und ein zweiter geht so, dass man beim ersten Autogrill auf italienischem Boden rausfährt und an der Bar einen cafe macchiato bestellt. Darauf freue ich mich schon ab Ortschild München. Auf der Fahrt an den Gardasee warten wir immer bis nach Bozen ab, bevor wir rausfahren, denn danach, im Trentino, wird es schon richtig italienisch.
Bei dieser Fahrt war aber unser Endziel Meran, was heißt, dass die Anzahl potentieller Autobahnraststätten zwischen Sterzing und Ausfahrt Bozen Süd begrenzt ist und man besser die erstbeste wählt, wenn man diesen Programmpunkt durchziehen möchte. Wir wollten. Also fuhren wir irgendwo vor oder nach Brixen auf den Rastplatz. Ich hatte schon ein schlechtes Gefühl, als ich sah, dass es sich um eine Shell-Tankstelle handelte. Die Shell-Tankstellen auf der Autobahn vom Gardasee hoch bis zum Brenner haben irre schlechte Bars und ich befürchtete, dass das auch für die Gegenrichtung gelten könnte. Das tat es.

Wir gingen rein, es lachte uns gleich eine Pyramide aus 5 l Gläsern Nutella entgegen, was ich als gutes Zeichen wertete, weil das ja ungeheuer spagomäßig ist. Wir direkt an die Kasse, um den scontrino zu holen, ähm due panini bitte, questo e questo per favore, ben riscaldato si, e due cafe! Während unsere Brötchen im Paniniroaster aufgewärmt wurden, holten wir schon mal den cafe. Gegen den konnte man nun nichts sagen, der war ok. Ein kleiner bitterer Schluck, schwupp!, weg war er. Dann kamen die Brötchen. Ich hatte ein Panino mit prosciutto crudo, mein Begleiter eines mit Schinken, Rucola und irgendeinem Frischkäse drauf. Nach dem ersten Biss in meines war ich sicher, ganz schlecht gewählt zu haben. Das Brötchen war so trocken, dass pro Biss nur vierzigmal kaufen half, um das abgebissene Stück schluckfertig vorzubereiten. Ich war sofort satt, nahm erst mal eine Brötchenhälfte weg und sonderte diese aus, machte mich dann daran, den durch das Erwärmen irre salzig gewordenen Schinken mit der Staubkante darunter weiter aufzuessen, was mir nur dank meiner guten Erziehung (katholisch, andere Kinder hungern usw.) gelang. Und nur unter Schmerzen. Eine italienische Familie stand plötzlich am Tresen, die Mutter bestellte ‘una coca’. Una coca!! Dieses Wort kam daher wie die Erlösung, ich stellte mich sofort in die nun lange Schlange vor der Kasse, wo der Kassierer leider nur langsam seinen Job erledigte, weil er zwischendurch weitere an sich schon trockenen Brötchen tottoasten musste - als ich endlich dran kam, konnte ich nur noch „due coca“ krächzen. Er, ah, due coche, tippte den Preis ein und gab mir den Bon. Vom Brötchenkiller auch noch bei der Pluralbildung korrigiert werden, na muchas gracias.
Die Cola war spitze. Ich habe Jahre nicht mehr eine normale, eiskalte Cola mit hundertsiebzig Zuckerwürfeln Süße getrunken, und ich befürchte, das war ein Fehler. Diese Cola war echt spitze!!

M stürzte sein Getränk ebenfalls runter, er hatte leider den Fehler gemacht, sich die Wartezeit auf das Mörderbrötchen mit einer Brioche con crema zu verkürzen – offenbar hatte diese auch nicht die gewünschte Qualität, sondern nur einen fiesen Geschmack nach mehrfach verwendetem Industriefett, was a.) keinen Genuß mit sich brachte, dafür aber b.) den Magen bereits umfassend gefüllt hatte, als das Speichelsaft fordernde Brötchen serviert wurde.

Ein alter Mann, so ein knarziger Südtiroler, wie man sie sich so vorstellt, verlangte an der Bar einen cafe con gusto di vino. Der Barrista fragte hä? und wußte nicht, was er ausschenken sollte. Es stellte sich dann raus, dass der Mann seinen cafe mit einem Schluck Rotwein nahm. Mit dem Wein im cafe drin. Das fand ich interessant und hat die gesamte Autoraststätte, die ich nullkommanull empfehlen möchte, doch noch ein wenig gerettet. Immerhin tat sie es zum weiteren kulinarischen Erfahrungen sammeln.


Lux, Esslingen

30Dez06

maille 4-9, 73728 esslingen, Telefon: 0711.31059535
http://www.lux-es.de/

Ich sollte ueber das Lux schreiben, nachdem ich in einer Woche drei Abende dort verbracht habe. Das liegt nicht nur an den mangelnden Alternativen in Esslingen, das liegt auch daran, dass ich das Lux mag.
Das Lux definiert sich selbst als „Gastronomie im kommunalen Kino“.
Diese Beschreibung sagt jedoch gar nichts ausser Essen und Kino.

Vielleicht kann man so beginnen, dass das Lux eine Kneipe ist, die sich um den Eingang des Kommunalen Kinos gelegt hat. Ich kann mich noch daran zurueckerinnern, als der Eingang des KoKi in einem Innenhof einer Haeusergruppe lag, die an einem der kleinen Neckarkanaele stand. Irgendwann hatte jemand die Idee, diesen Innenhof mit Glas und Dach zu versehen und einen geschlossen Raum daraus zu machen. Die aufs Kino Wartenden standen ab diesem Moment nicht mehr im Nassen, sondern im Lux.
Die Form von Innenhoefen ist nicht rechteckig und nicht wohlueberlegt, stellen sie vielmehr das Negativ einer Innenraumgestaltung dar.
Das fuehrte dazu, dass der Grundriss des Lux seltsam geformt ist und zwei Eingaenge hat. Der Haupteingang fuehrt geradewegs auf das KoKi und auf die Bar zu. links und rechts auf dem Weg zur Bar stehen grosse Tische.
Die Bar belegt die gesamte Hinterfront des Raumes und geht von der geraeumigeren Kinoseite bis zu einem etwas engeren Bereich, in dem der zweite Eingang ist. Auf dieser Seite gibt es keinen Platz fuer Tische. Es gibt zwei Nischen und Stehplaetze. Und die Decke ist sehr viel niedriger als im Haupteingangsbereich. Mir faellt gerade ein, dass es im Hauptbereich eine zweite Ebene gibt, die ich zwar immer wahrnehmen zu scheine, zu der ich aber noch nie hochgestiegen bin. Vielleicht ist dies auch nur eine optische Taeuschung?

Genug der architektonischen Ausfuehrungen. Man kann aufgrund der Zigarettenrauchschwaden eh kaum etwas erkennen. Es ist immer leicht zu dunkel und wie schon erwaehnt, der aus Sueddeutschland nicht wegzudenkende Zigarettenqualm verhindert ein zu genaues wahrnehmen.

Ich kann alleine ins Lux gehen, es ist eine dieser Kneipen, wo man nicht wirklich auffaellt, man stellt sich an die Bar und trinkt dort sein Bier, oder man wandelt ein bisschen umher und tut so, als sei man Kinogast und warte auf die Vorstellung.
Die Getraenkekarte ist Standard und so formuliert, dass ich Bier empfehle, die Auswahl ist ansprechend und Bier in Deutschland schmeckt immer.
Traue keiner Cocktailkarte in der Provinz ist die zweite Regel, die auch aufs Bier verweist.

Hat man seine Nische gefunden und schaut man sich in der Runde um, faellt auf dass das Publikum alle Altersklassen abdeckt. Alle Altersklassen aber nicht alle Typen. Selbst die aelteren Anwesenden sehen so ein bisschen alternativ aus. Haben laengere Haare oder immer noch ein oder zwei Ohrringe im Ohr – die Juengeren haben die Ringe in der Nase. Ich mag das sehr, fuehle mich daheim.

Das Gefuehl von Heimat ist vorherrschend, waehrend ich in einer Nische stehe, habe ich Zeit, mir alle anwesenden Gesichter anzuschauen und kann mir ueberlegen, ob ich sie nicht schon von irgendwoher kenne. Von frueher. Und wenn dies der Fall ist, kann ich mir ueberlegen, ob ich ihn oder sie anspreche, jeder scheint sich hier darueber zu freuen, angesprochen zu werden, oder ich suche heimlich still und leise den Ausgang (es gibt zwei davon!). Es gibt immer Teile seiner Vergangenheit, die man dort ruhen lassen will und nicht in die Gegenwart holen moechte und das Lux mit seinen Rauchschwaden, seiner schlechten Beleuchtung, seiner – zumindest in der Weihnachtszeit – ueberfuellten Raeumlichkeiten ist der ideale Ort, um nur das zu sehen, was man sehen will.


Ein weiterer Airlines Beitrag – und noch mit dem frischesten aller Eindruecke: bin erst vor ein paar Stunden gelandet, mit Austrian Airlines.
Meine Pupillen sind immer noch leicht geweitet – so stelle ich mir flying under the influence of a magic mushroom vor.
Eine Erfahrung, die ich nach heute, sicherlich nicht gedenke jemals nachzuholen.

Aber nun mal von der ersten Halluzination bis zur letzten:
Austrian Airlines gehoeren momentan mit zu den guenstigsten Airlines fuer Transatlantikfluege und sind im Gegensatz zu KLM und Delta und Air France Partner von Star Alliance, was zumindest in meinem Falle die Meilen auf das richtige Konto schafft. Diese Ausfuehrung nur um meine Entscheidung zu entschuldigen.

Mein Stuttgart – Wien Zubringer Flug war leer und fruehmorgens. Alle Auffaelligkeiten koennen im Rahmen des Weiterflugs Wien – New York beschrieben werden, weshalb ich an dieser Stelle darauf verzichte.
Wir landeten puenktlich in Wien und auf dem Weg zum New York Abfluggate muss man ungefaehr an 20 Pralinenlaeden vorbei. Ich habe spontan Mozartkugeln als Mitbringsel gekauft Das war eine gute Entscheidung gewesen, Kaufen beruhigt ja in der Regel.

Nach weiteren US Sicherheitskontrollen ist man dann letztendlich in der US Abflughalle; die Halle bietet circa 100 Personen Sitzplaetze. Bei einem Flieger mit 280 Personen ein bisschen wenig, vor allem dann, wenn der Flug ausgebucht ist.
Viele Mitreisenden setzten sich auf den Boden. Ich mag dies nicht gerne beobachten, es sieht dann fuer mich immer so aus, als sei schon irgendetwas Schlimmes passiert und die Anarchie schon am um sich greifen.
Ich vertiefte mich in ein Kreuzwortraetsel, um wenigst moeglich vom Geschehen mitzubekommen. Beim Boarden dann waren gleich alle bisherigen Widrigkeiten vergessen, meine Augen wurden groesser und groesser:

Das Design und die Fargebung von Austrian ist einer Mushroom Halluzination oder einer Schneewittchen und den Sieben Zwergen Illustration entsprungen. Die Sitzbezuege sind flaschengruen, der Boden grasgruen, die Kissen sind rot. Die Decken sind froschgruen, die Stewardessen ganz rot. Mit ganz rot meine ich ganz rot. Rote Hose, rote Weste, rotes Jersey, rote Struempfe und rote Schuhe. Bei der Auswahl des Rots hat man auf jeden Fall an Schneewittchen gedacht. Es ist dieses Rot, das nur im Buntstiftkasten, aber nicht in der echten Welt vorkommt. Um dem ganzen die Sturheit zu nehmen liegen ueber den Kopfstuetzen gelbe und weisse Servietten. Dieser farblichen Tragoedie nicht genug.
Meinem ausdruecklichen Wunsche zuwider hatte man mich auf einen Mittelplatz einer Dreierreihe gebucht. In der vorletzten Reihe. Bis zum „boarding completed“ war ich am auf mich und meine Not aufmerksam machen. Ich wuerde NICHT auf einem Mittelplatz nach New York fliegen. Nach einer Massenumsetzaktion sass ich dann am Gang in der Mitte des Flugzeugs und konnte mich zumindest mental entspannen.

Der naechste Akt war das Mittagessen.
Das Essen enttaeuschte keineswegs – die Schaelchen sind blau und rot und gruen und die Alufolie ist grasgruen. Konnte gar nicht glauben, dass darin nur ein Chicken mit versalzenem Gemuese versteckt war, erwartete vielmehr gruenen Wackelpudding mit Ravioli und Tomatensauce.

Ich hatte einen guten Teil des Fluges die Augen geschlossen.
Die meisten anderen Fluggaeste standen in den Gaengen. Auch dies sehr ungewoehnlich. Aber ich wollte mich nicht weiter wundern.
Die Stewardessen waren sehr freundlich, gestresst freundlich. Sie hatten alle Haende voll zu tun und immer einen Passagier im Weg.
Die 8,5 Stunden vergingen wie immer alle Fluege vergehen, aber ich muss sagen, sie waren nicht ganz ‘wie im Fluge’ sonder eher zaeh. Viel zaeher als noetig.
Ich war deshalb unsaeglich erleichtert, als wir uns auf JFK Anflug befanden und als wir endlich den Boden beruehrten und andere Passagiere klatschten fand ich dies angebracht und ich schluckte den Kloss der Ruehrung ueber den schoenen Moment hinunter.

Austrian Airlines ist kein Geheimtipp fuer Geniesser, sondern eher fuer Masochisten. Aber auch Masochisten sollen ihre Airline haben.
Austrian – Flying under the Influences of a Magic Mushroom.


Blaue Gans

18Dez06

139 Duane St (Cross Street: Between Church Street and W Broadway)
New York, phone 212 571 8880

Die Blaue Gans ist ein Restaurant oesterreichischer Kueche, in dem es Klassiker wie Wienerschnitzel, Jaegerschnitzel, Tafelspitz, Rehgulasch etc. gibt.
Das hoert sich, faellt mir gerade so auf, fuer deutschsprachige Ohren alles sehr unspektakulaer an. Und bei genauerem Nachdenken ist die Kueche auch, vor allem dann, wenn man die Gerichte kennt und sie schon unzaehligst in allen moeglichen Versionen gegessen hat, unspektakulaer. Ihre Besonderheit kommt durch die Tatsache, dass es doch nicht so viele Restaurants in New York mit diesem Angebot gibt (die paar anderen, die es noch gibt – wie z.B. das Wallse gehoeren dem gleichen Eigentuemer, somit zaehlen sie nicht wirklich)
Nach dieser Einleitung mag es nun vielleicht ueberraschen, dass die Blaue Gans zu meinen Lieblings Winterrestaurants gehoert. Es liegt teilweise am Interieur, das sehr gelungen und trotzdem casual ist. Man stelle sich ein Wiener Cafehaus vor, das 24/7 geoeffnet ist, an den Waenden haengen Zeitungen, die Atmosphaere ist dunkel und ueber dem ganzen wolkt der Zigarettenrauch der Jahre.
Die Blaue Gans hat weder die Zeitungen noch den Zigarettenrauch, vielmehr sind die Waende gepflastert mit Ausstellungsplakaten vergangener Jahrzehnte, alle aus dem deutschsprachigen Raum. Ich erinnere mich an viele der Ausstellungen, war teilweise selbst dort. Jedes Mal ein ueberraschendes Stueck Vergangenheit, dem ich dort im Laufe des Abends begegne. Das schafft viel Atmosphaere. Auch die gedaempfte Beleuchtung traegt dazu bei.

Der Speiseraum selbst ist lang und es umgibt ihn, durchgehend, eine rote Plueschbank, an der sich die Tische im U anordnen, in der Mitte steht ein Gemeinschaftstisch, der meist von einer Gruppe Feiernder belegt ist.
Die Bar steht geraeumig und solide am Eingang, sie bietet genug Platz fuer alle, die auf einen Tisch warten und fuer diejenigen, die nicht warten wollen, sondern sich gleich und letzlich an der Bar niederlassen. Man sollte sich so setzen, dass man den Bildschirm, der in der Mitte der Bar angebracht ist, nicht sieht. Der stoert doch sehr.
Zurueck zur Karte. Die Vorspeisenliste ist eine Herausforderung; da gibt es naemlich eine Vielzahl verschiedener Wuerste und auch Spaetzle. Wuerste mit Kraut sind fuer mich eine einfache, aber dennoch vollstaendige Hauptmahlzeit. Kann die schon mal nicht als Vorspeise bestellen. Ich wuenschte es gaebe kalte Platten oder noch mehr Salate. Die Salate sind zu empfehlen. Der gruene Salat ist wie man ihn aus Sueddeutschland kennt, grosse unmundliche Kopfsalatblaetter mit einem sehr sauren Dressing. Der Tomatensalat, den es Sommer gab, war auch voller Erinnerungen. Mit ganz viel Wasser und weissen Zwiebeln.

Die interessanten Punkte der Karte sind ohne Frage die Hauptgerichte und die Desserts. Die Hauptgerichte sind solide gut. Die Spaetzle, die oesterreichische Version, kommen immer mit einem sahnigen Hintergrund. Das Wienerschnitzel ist schoen duenn – koennte saftiger sein - aber schmeckt doch sehr gut. Das Jaegerschnitzel macht suechtig. Das Rehgulasch kommt mit einem unnoetigen Schlag von Preiselbeermarmelade auf (!) dem Fleisch (oder was soll das sein?) und ist deshalb versuesst. Schade.
Der Tafelspitz schmeckt so wie man ihn von daheim kennt. Der Schweinsbraten kommt mit einem einzigen Knoedel.
Der Koch scheint ein bisschen unter dem Eindruck zu stehen, dass die oesterreichische Kueche durch hohen Zuckergehalt gekennzeichnet ist und suesst, wo es das Rezept zulaesst. Er uebertreibt dabei – mein Rotkohlsalat war auch so suess… Vielleicht kann es ihm jemand sagen.
Die Desserts jedoch – ueberraschenderweise – sind alle nicht zu suess und ausgezeichnet. Ob es der Apfelstruedel, die Salzburgernockerl, der Quarkstrudel ist, alles schmeckt original und sehr gut.

Ein weiterer Grund zur Blauen Gans zu gehen, ist auch das Publikum, wenn man mal vom „Kinder- und Familiensonntag“ absieht, man sieht interessante Gaeste. Was mir jedoch in letzter Zeit auffaellt ist, dass der Service im Vergleich zum Anfang doch sehr abgebaut hat. Vielleicht befindet man sich ja in einer Restrukturierungsphase. Man kann es nur hoffen, weil ich mit meinen Jaegerschnitzel suechtigen Freunden bestimmt noch oefters dort landen werde.


Bayerstraße 3-5
089-5126222

Gestern abend habe ich Casino Royale gesehen, den neuen James Bond-Film. Da wir im Derbyblog ja über Restaurants, Bars & Co. berichten und nicht über Movies, spare ich mir hier die Filmkritik bzw. beschränke mich darauf, mündlich allen Interessierten meine Meinung über den Film kundzutun, das sollte reichen.
Oder nein, doch nicht, ich mache hier mal ein kurzes Summary:

Daniel Craig ist sehr gut; ein ganz neuer, eigener James Bond Typ, moderner, härter und cooler als die anderen, vielleicht einen Hauch ins Amerikanische neigend. Aber nur einen Hauchchchch… Der Film selbst ist mittel, er hat ganz klar Längen und Durchhänger im Drehbuch. Die James Bond Girls sind enttäuschend, die erste (Griechin mit dicken Lippen) ist deutlich unter Bonds Niveau, was diesem auch schnell auffällt. Die zweite – Vesper – wirkt erst sehr interessant und schön, ist meiner Meinung nach aber zu stark geschminkt, was ihr nicht steht, da sie eigentlich kein Vamp ist. Sie verliert dann sehr gegen Ende. In jeder Hinsicht. Unerträglich ist das Liebesgesülze in dem Film, James Bond is not a love movie, und wie immer, wenn nicht genrerein gearbeitet wird, kommt Murks raus. Also diese love scenes sind des Guten einfach zuviel, umso zwingender ist dann auch das Ende: Das musste brutal abgewürgt werden (Vesper hätte ja sonst die nächsten 5 Filme mit durchgefüttert werden müssen). Sehr gut sind M und der Bösewicht, Le Chiffre, lustig ist auch der Schweizer Bankier, den ich schon als tapsigen Ermittlerkollegen von Balko gern mochte.

Anyway, es geht hier ja nicht um den Film. Sondern um die Lounge 2. Die Lounge 2 ist eine futuristisch gestaltete Bar im Mathäser-Kinokomplex (sowohl das 2 (bitte englisch aussprechen) im Namen als auch der Luftblubberlook in den Aquarienwänden machen es deutlich, dass die Lounge von O2 ge- sagen wir mal: gesponsort wird). Also eigentlich ist völlig klar, dass der Laden als ernsthafte Bar nicht in Frage kommt, und wenn ich nachts aus dem Schlaf gerissen und gefragt würde, wo ich einen guten Drink in München nehmen würde, dann wäre meine Empfehlung natürlich ganz klar das Schumann’s oder das Tabacco. Da es aber gestern nach Filmende schon 23.15 Uhr war (die Längen im Film waren nicht nur gefühlt) und ich keine Lust auf langen Rüstaufwand für das Aufsuchen einer RICHTIGEN Bar hatte, gleichwohl aber irre Lust auf einen Martini-Cocktail, sind wir eben schnell in die Lounge 2. Direkt an die Bar, den einzig akzeptablen Platz im Raum. Auf diesen schwulen weißen Ledersesseln vor den Aquarienwänden kann man im November unmöglich Platz nehmen.

Kleine Aufsteller wiesen auf den Drinks der Woche / des Monats, wie auch immer, und was hätte es anders sein können, der Drink der Woche hieß James Bond und war ein Vodka-Martini. Schon falsch. Ein James Bond ist ein Champagner-Cocktail mit Vodka drin, der Vodka-Martini heißt einfach Vodka-Martini. Haben wir natürlich bestellt. Als Marketingmensch hätte ich mich da schon aufregen können; wo jetzt Daniel Craig alias James Bond in Casino Royale detailliert beschreibt, wie er seinen Martini will („Three measures of Gordon’s, one of vodka, half a measure of Kina Lillet. Shake it very well until it’s ice-cold, then add a large slice of lemon-peel. Got it?“), schaffen sie es in der Lounge 2 nicht, genau dieses Rezept anzubieten. Es kommt ein regulärer Vodka-Martini mit Martini Dry als Vermouth und einer Olive, die auf einen silbernen Plastiksäbel aufgespiesst ist! Wir sind hier nicht in Pirates of the Caribbean. (Es gibt die Dinge, die gehen einfach nicht. Zum Beispiel der silberne Plastiksäbel. Die Olive im Martini-Cocktail wird auf einen Zahnstocher aufgespiesst, auf sonst nichts, bitte.)

Martinis are so beautiful.

Ok, es kam also nicht der Martini nach dem Originalrezept aus Casino Royale (gehen die aus der Lounge 2 eigentlich nicht ins Kino), schon mal negativ, dann der Säbel, Minuspunkt Nr. 2, und dann muss ich auch noch an der Temperatur rummäkeln. One of the main ingredients of a martini is ice-coldness. Anders kriegt man ihn auch kaum runter. Der Martini in der Lounge 2 war eindeutig nicht kalt genug, selbst für einen schnellen Trinker wie mich. Mein Begleiter brauchte deutlich länger und würgte das Getränk eh mit angewidertem Gesicht runter, ich musste zum Schluß seinen Rest runterkippen, damit wir es noch rechtzeitig vor 24 Uhr zum Parkhaus schafften. Which we did.

Fazit – mangelnder Einsatz wird sofort bestraft. Instantly.
Wer ist eine schlechte Bar geht, muss sich nicht wundern.
Ich werde mir eine Flasche Kina Lillet besorgen.


Da ich so viel Zeit im Flugzeug verbringen musste, um von New York nach Tokyo zu gelangen, sollte ich doch etwas zur Fluggesellschaft sagen. Ich bin United geflogen. Mit Zwischenstop in Los Angeles auf dem Hinflug und San Francisco auf dem Rueckflug.
Ich muss gestehen, ich mag United for being so American. No Frills Airline. Auf domestic Fluegen gibt es Getraenke jedoch nichts zu essen, man muss sich sofern Verlangen besteht, Snacks oder ein Sandwich an Board kaufen. Das ist in Ordnung, wenn man darauf vorbereitet ist. Die Sitze sind breit. Breiter als bei jeder japanischen Fluggesellschaft, weshalb man unter keinen Umstaenden jemals mit westlichen Proportionen JAL oder ANA fliegen sollte.
Und es wird Pirates of the Caribbean gezeigt.

Auf Transpazifik-Fluegen gibt es mehrere Mahlzeiten und Alkohol umsonst. Auch hier alles sehr effizient. Jedoch sind die Flugbegleiter noch aelter. Die Flugbegleiter auf Transpazifikfluegen sind wirklich sehr sehr alt. Da ich kein Mann bin, stoert mich das ueberhaupt nicht, ich bevorzuge Freundlichkeit. I don’t care for sexy legs. Und ich dachte, dass es doch sehr beruhigend ist, mit so hochbetagten Flugbegleitern unterwegs zu sein, waeren sie noch da, wenn es sich um eine Bruch Airline handelte? Sicherlich nicht. Also….!!! Und ich schaue mir gerne Flugbegleiter an, die mich vom Styling an die Addam’s Family erinnern. Das ist Teil des Unterhaltungsprogramms.
Und auf dem erweiterten Programm steht Pirates of the Caribbean.

Auch der Rueckflug – zurueck nach New York – war nicht unangenehm, jeder hatte dieses Mal eigene Bildschirme, der Service war freundlich wie gewohnt und wie gewohnt zeigte man Pirates of the Caribbean.

Ich kann United wirklich nur weiterempfehlen. Es ist als betraete man eine Show, in der alle irgendwelchen verrueckten Outfits tragen und die maennlichen Flugbegleiter sehr schwul sind und man beinahe den Verdacht hegen moechte, sie stuenden unter Drogen und fliegen under influence. Das ist sicherlich nicht der Fall, es liegt wahrscheinlich nur daran, dass sie Pirates of the Caribbean einmal zu oft gesehen haben. Kein Grund zur Beunruhigung.


Heiroku Sushi
5-8-5 Jingumae
Tokyo
(5 Minuten von der Omotesando Station, direkt auf der Omotesando)
http://www.heiroku.jp/store/tokyo/omotesando.html

Kakiya Sushi
1-14-27 Jingumae
Tokyo
(gegenueber der Harajuku JR Station, im zweiten Stock, neben dem Snoopy Haus)
www.bento.com/rev/1981.htm

Wenn man Tokyo besucht, muss man Sushi essen und wirkliches Sushi essen ist in der Regel ein Abendessen und man geht zu einem Restaurant, das sonst nichts anderes anbietet, ueber maximal 10 Plaetze verfuegt und einen bekannten Sushi Chef hinter der Theke stehen hat. Man zahlt pro Person ab 10,000 yen, nach oben kaum Grenzen – Getraenke gehen extra. Diese Art von Sushi ist ’serious stuff’. Man braucht Zeit und japanische Begleitung.

Wenn man jedoch nur fuer Lunch Appetit auf rohen Fisch hat und auf das ganze japanische Getue weniger, dann ist Kaiten Sushi – auf deutsch Laufbandsushi – das allerbeste. Aufgrund der Tatsache, dass es schnell geht und dass man ohne Kommunikation das bekommt, was man mag.
Deshalb auch nun mein Vergleich von zwei Kaiten Lokalitaeten, in den touristischsten Gegenden Tokyos: das eine Laufband auf der Omotesando und das zweite Laufband gegenueber der Harajuku Station.

Fangen wir gleich mit meinem Favoriten an – dem einzigen und seit Ewigkeiten praesenten Kaiten Sushi auf der Omotesando: Heiroku Sushi. Man fuehlt sich anfangs etwas unwohl, wenn man die ganzen westlichen Gesichter auf der Wartebank sitzen sieht, man meint, dass es sicherlich die ‘unechteteste’ Lokalitaet dieser Art ist. Da kann man jedoch voellig beruhigt sein, Japaner kennen keine verschiedenen Versionen, sondern alles, was sie in der Richtung anbieten ist echt. Die Tellerchen sind vielleicht etwas teurer als an anderer Stelle, aber dafuer ist man auf der Omotesando und nicht in irgendwelchen schwindligen Nebenstraesschen Shibuyas, von wo aus man nicht mehr nach hause findet.

Wenn man zur Mittagszeit kommt, wartet man in der Regel ein paar Minuten in der Schlange, aber man kann die Zeit nutzen, indem man schaut, was gerade so auf dem Band seine Runden dreht. Wird einem schliesslich ein Platz zugewiesen, sollte man seinen Essplatz gleich mal mit den fuer die anstehende Mahlzeit benoetigten Utensilien vorbereiten: man nimmt sich eine Tasse, legt Teebeutel oder gibt Teepulver hinein, fuellt mit Wasser auf. Dann nimmt man sich seine Staebchen, wischt sich mit dem bereitgelegten Handtuch seine Haende ab. Sobald man ein Tellerchen uebrig hat (leer gegessen), kann man dieses in ein Ingwer und Soja Sauce Dip Tellerchen verwandeln.
Waehrend dieser Vorbereitungen spaetestens muss man das Band mit den Tellerchen beobachten, um sich fuer das erste Tellerchen zu entscheiden. Sobald man sicht mit dem einen oder anderen Tellerchen angefreundet hat, kann es losgehen. Vom Band nehmen und essen.
Das macht man so lange bis man satt ist.
Sobald man aufsteht, versteht das Personal, dass es die Tellerchen zu zaehlen hat, was es auch eifrig tun wird und waehrend man sich selbst zur Kasse begibt, ist der Final Count auch schon auf dem Weg dorthin.

Ich mag das Omotesando Kaiten Sushi aufgrund seiner Fischauswahl und seiner Groesse. Es ist nicht zu gross und die Fischauswahl ist vielleicht nicht ausgefallen, aber abwechslungsreich genug, dass man keine Probleme hat seinen Hunger zu stillen.
Es ist ein bisschen eng – dies zu seinem Nachteil und wie gesagt der Anblick dieser ganzen westlichen Gesichter und der ab und an aus Versehen durch die gegend spritzenden Staebchen ist – wie soll man sagen – wohl unvermeidlich.

Kakiya Kaiten Sushi ist dahingegen sehr viel geraeumiger. Sonniger. Man sitzt im zweiten Obergeschoss und muss sich irgendwie gar nicht beeilen. Auch hier sieht man Westerners, seltener jedoch …. Auch sind die Japaner, die hier einkehren, eher die, die auf Shoppingtour sind und weniger die auf Lunchbreak. Ich habe immer den Eindruck, dass diese Lokalitaet gerade erst aufgemacht hat, und mit seinem ploetzlichen Oeffnen den Service eiskalt ueberrascht hat. Und dieser eiskalt ueberraschte Servie arbeitet nun angestrengt daran, Land zu gewinnen. Aber das ist hoechstens ein bisschen irritierend, nicht wirklich stoerend. Eher stoerend ist das limitierte Sushi programm. Bzw. fuer diesen Ort gilt: man muss bestellen!
Das moegen wir Auslaender in der Regel nicht so sehr, dieses in den Raumbruellen von Dingen wie „Negitoro onegaishimasu“.
Deshalb empfehle ich auch dieses Kaiten Sushi eher den fortgeschrittenen Essern oder denjenigen, denen es nicht so wichtig ist, was sie nun letztlich essen. Ich persoenlich brauche immer folgende Tellerchen – einen Tunfisch (Maguro), einen Shrimp (Ebi), einen Krabben salat (Cani Salada), einen Joker (Inspiration des Tages) und ein Ei (Tamago). Vor allem weigere ich mich ein Kaiten Sushi zu verlassen, ohne ein Ei gegessen zu haben. Man sagt, man solle Tamago zu Beginn essen, daraus kann man auf die Qualitaet der Sushis schliessen. Denn nur derjenige Chef, der sich mit Tamago genug Muehe gibt, tut es auch mit seinen Fischen. Ich esse es am Schluss und bilde mir so mein letztes und finales Urteil ueber ein Kaiten Sushi.


Gasthaus „Zur Mühle“, Oberhöllgrund – 69429 Waldbrunn
(06274) 356
http://www.landgasthaus-zurmuehle.de/

Hallo, hier schreibt mal wieder Cosma36.
Endlich habe ich mal wieder Futter für eine Restaurantkritik, sprich: trotz totaler Überarbeitung in den letzten Wochen, ist es mir irgendwie gelungen, zusammen mit meinem hochintelligenten, gut aussehenden und sich überall einbringenden Freund M auswärts essen zu gehen. (Die vielen Adjektive im Satz zuvor stammen alle von meiner Mutter, die von unserer Beziehung mittlerweile restlos begeistert ist und es auch schon immer gewußt hat, dass wir wunderbar zueinander passen. Schön!). Zurück zum Thema.

Wir waren letztes Wochenende bei meinen Eltern in Zwingenberg (Neckartal, Odenwald) zu Besuch und haben den wunderschönen Novembertag dazu genutzt, eine kleine Wanderung durch den Wald zu machen. Wanderungen machen ja nur dann wirklich Spaß, wenn sie im Wirtshaus enden, sonst ist das so ziellose Rumstapferei, und diese alte Müllerregel im Hinterkopf hatten wir von vorneherein den Ausflug so getaktet, dass es in der Mühle enden würden, in der Mühle im Oberhöllgrund. Schlau vorausdenkend, sind wir raffiniert mit 2 Autos angereist, haben eines gleich an der Mühle geparkt, sind mit dem anderen wieder rauf auf den Berg gefahren und von dort aus losgelaufen. Man kennt das ja. Wenn man dann mal im Warmen saß und Schlachtplatte und 2 Bier hatte, ist die Lust auf die Rückwanderung zum Auto äußerst übersichtlich, also am besten man vermeidet das von vornherein.

Wir sind also los, von Mülben aus. Von dort führt direkt ein Waldweg durch den – Wald natürlich (das ist jetzt ein doofer Satz), rein ins Wildschweingatter. Nach so 3 – 4 km kommt an die Max-Wilhelms-Höhe, ein altes kleines Jagdschlösschen, das dort ganz einsam liegt und wo wir ums Haar gewohnt hätten, als ich noch klein und mein Vater noch ein junger Förster war. Bei der Max-Wilhelms-Höhe scheitelt sich dann der Weg und zweigt ab Richtung Gaimühle bzw. in den Höllgrund. So ein Waldspaziergang ist natürlich wunderschön, die Wege sind voll Laub und federn jeden Schritt so weich ab, dass man denkt, man ginge auf einem Teppich, der Wald ist aber trotz Mitte November noch nicht ganz kahl und bietet ein wunderschönes Farbenspiel. Jaha, auch ich habe einen Sinn für die Poetik der Natur!

Insgesamt waren wir nach ca. einer Stunde Marsch schon bei der Mühle. Meine Mutter konnte es gar nicht fassen, hatte sie doch – aufbauend auf den Erfahrungen mit ihren Wanderfreunden – mit ca. 2 h gerechnet. Wir haben die Strecke in der Hälfte gemacht, gelockt von den Hausmacher-Bratwürsten und dem selbstgebackenen Brot in der Mühlenwirtschaft. So, nach dieser umfassenden Einleitung kommen wir nun endlich mal zur tatsächlichen Bewertung.
Mühle im Oberhöllgrund

Die Mühle ist einfache Gastwirtschaft, die viele der Speisen noch selbst zubereitet, z.B. das Brot, die Butter, die Wurst (Leberwurst, Blutwurst, Pressack), den Handkäs. Ich war hin- und hergerissen und wußte nicht so recht, was ich bestellen sollte (wie immer), habe mich dann am Ende für die Bratwürste mit Kraut entschieden und das war eine gute Wahl. Dazu eine Apfelschorle gegen den Durst und ein saures Radler für die Bratwürste. Meine Mum hatte den Handkäs (mit Musik), M hatte die Mühlenplatte. Sehr lecker sind in der Tat das Brot mit der Butter. Die Butter hat kleine Wassertropfen auf der Oberfläche und schmeckt leicht säuerlich. Auf dem Brot mit der dicken Kruste ganz vorzüglich! Wirt und Bedienung reden einen breiten Dialekt, einen Dialekt, den ich gar nicht beschreiben kann, wenn ich ihn jetzt nordbadisch nenne, kann damit wahrscheinlich keiner was anfangen.

Nach einer Stunde oder so sind wir dann aufgebrochen. Zum Abschied pinkelte unser Hund Moritz ohne Ankündigung einfach so an die Theke. Zu seiner Entschuldigung sei angemerkt, dass er sehr alt und auch sehr krank ist. Dennoch. Unangenehm. :-)